Als Schriftstellerin, Übersetzerin, Philosophin und Filmkritikerin hat sich Hélène Frappat einen Namen gemacht.
Sie ist Filmtheoretikerin und Autorin der Romane Trois femmes disparaissent (2023) und Nerona (2025) sowie des Essays Le Gaslighting ou l’art de faire taire les femmes (2023), in denen sie das Verschwinden von Frauen – real, symbolisch oder psychologisch – anhand von Machtverhältnissen, Blicken und Manipulation untersucht. Hollywoods Star-System und Hitchcocks Umgang mit seinen weiblichen Schauspielerinnen dient ihr als Vorlage.
In Le Gaslighting ou l’art de faire taire les femmes erklärt sie ein Schlüsselkonzept des Feminismus, das in Frankreich noch wenig bekannt ist. Inspiriert vom Film Gaslight (1944) von George Cukor beschreibt sie Gaslighting als heimtückische psychische Gewalt, die das Opfer an seinen Wahrnehmungen, Erinnerungen und seiner eigenen Vernunft zweifeln lässt. Eng mit Machtstrukturen verbunden, oft geschlechtsspezifisch geprägt, wirkt Gaslighting als unsichtbare Form der Dominanz, besonders effektiv, weil sie ohne offensichtliche Gewalt auskommt.
Mit Nerona entführt Frappat in die Gedankenwelt einer italienischen Führungskraft, die sich in einen dekadenten römischen Kaiser verwandelt, und zeigt die perversen Mechanismen einer Sprache, die unsere Gesellschaft entmenschlicht. Gleichzeitig regt sie dazu an, über politische Gewalt und demokratische Nachsicht nachzudenken.
Mit dieser literarischen Begegnung lädt Hélène Frappat dazu ein, Macht, Realität und die Rolle der Frauen in unserer Gesellschaft neu zu hinterfragen.
George Cukor, Gaslight, 1944, screenshot © Metro-Goldwyn-Mayer
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